Durian: Die Frucht, die geliebt, gefürchtet und verehrt wird

Der Duft der Königin

Wer einmal durch einen thailändischen Früchtemarkt geschlendert ist, kennt ihn: diesen intensiven, fast schon legendären Geruch, der durch ganze Straßenzüge zieht. Für die einen ist es himmlisch, für die anderen schlicht unerträglich – die Durian polarisiert wie keine andere Frucht der Welt. In Thailand wird sie ehrfürchtig „ราชาแห่งผลไม้“ (Racha Haeng Phonlamai) genannt – die Königin der Früchte.

Ihr cremiges, buttriges Inneres und der eigenwillige Duft machen sie zu einem echten Erlebnis – ein Geschmack, der sich kaum mit Worten beschreiben lässt. Wer sie liebt, schwärmt von Noten aus Vanille, Karamell und Mandeln. Wer sie hasst, vergleicht sie mit faulen Zwiebeln oder altem Käse.

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Aberglaube & Symbolik – Mehr als nur Geschmack

In Südostasien, vor allem in Thailand, Malaysia und China, ranken sich viele Mythen um die Durian. In vielen Familien gilt sie als Symbol für Wohlstand, Glück und Fruchtbarkeit.

Gleichzeitig wird sie mit „innerer Hitze“ in Verbindung gebracht – was im asiatischen Glauben bedeutet, dass sie den Körper „erwärmt“ und aus dem Gleichgewicht bringen kann. Deshalb wird Schwangeren oft davon abgeraten, Durian zu essen.

In manchen Regionen wird sie sogar als spirituelle Opfergabe verwendet – eine Geste, um Wohlstand und Schutz zu erbitten. Und wer glaubt, dass Früchte keine Seele haben, hat wohl noch nie gesehen, wie ehrfürchtig manche Thais eine perfekt geöffnete Durian präsentieren.

Die chinesische Obsession

In den letzten Jahren hat vor allem China den weltweiten Durian-Boom befeuert.
Über 90 Prozent aller thailändischen Durians werden mittlerweile nach China exportiert – Tendenz steigend.

Was früher eine lokale Spezialität war, ist heute ein internationales Luxusprodukt. Auf chinesischen Social-Media-Plattformen wie Douyin (TikTok China) oder Taobao Live werden Premium-Durians versteigert – teils zu Preisen von über 1.000 Euro pro Frucht.

In China gilt die Durian längst als Statussymbol. Wer sie verschenkt, zeigt Geschmack – im wahrsten Sinne des Wortes. Luxusrestaurants servieren sie in goldenen Boxen, begleitet von Champagner oder edler Schokolade.

Preiswahnsinn – Warum manche Durians 1.000 Euro kosten

Durian ist nicht gleich Durian. Ihr Wert hängt von vielen Faktoren ab:

Sorte: Besonders beliebt ist Monthong – cremig, mild und mit wenig Geruch. Noch exklusiver ist Musang King aus Malaysia – die Königin unter den Königinnen.

Größe & Reifegrad: Nur perfekt reife, symmetrische Früchte erzielen Spitzenpreise.

Zucht & Herkunft: Besonders berühmt ist die Nonthaburi-Durian, eine Sorte aus der Nähe von Bangkok mit geschützter Herkunftsbezeichnung – quasi der „Champagner“ unter den Durians.

Auktionen & Prestige: Einzelne Früchte werden auf königlichen Auktionen versteigert. Eine Nonthaburi-Durian erzielte 2019 unglaubliche 1,5 Millionen Baht (rund 40.000 Euro).

Was für Außenstehende absurd wirkt, ist für Sammler und Liebhaber eine Mischung aus Stolz, Handwerkskunst und Tradition.

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Historischer Kontext – Als Früchte zu Waffen wurden

So friedlich die Durian aussieht – ihre stachelige Schale hat Geschichte. In alten Überlieferungen aus dem Königreich Siam heißt es, dass Soldaten unreife Durians als Wurfwaffen eingesetzt haben.

Die Kombination aus Gewicht und Stacheln machte sie zu einer natürlichen Keule. Auch während der Kolonialzeit tauchen Berichte über „Durian-Angriffe“ auf – ob Mythos oder Wahrheit, bleibt offen. Aber fest steht: Diese Frucht hat buchstäblich Schlagkraft.

Zwischen Verbot und Verehrung

In Thailand ist die Durian allgegenwärtig – und gleichzeitig streng reglementiert. In Hotels, Taxis und der Metro hängen häufig Schilder mit der Aufschrift „No Durian“. Der Grund: Ihr Duft hält sich hartnäckig – und das über Tage hinweg.

Gleichzeitig feiert man sie landesweit, etwa beim Chanthaburi Durian Festival, wo Wettbewerbe um die schönste Frucht stattfinden. Besucher können dort Plantagen besichtigen, selbst Durians öffnen und sich durch verschiedene Sorten probieren.

Und wer sich traut, sollte sie frisch vom Markt probieren – am besten auf dem Or Tor Kor Market in Bangkok oder direkt auf einer Plantage in Rayong oder Chanthaburi.

Insider-Tipps für echte Farangs

Wenn du jetzt Lust bekommen hast, dich selbst an die Königin der Früchte heranzuwagen, hier ein paar echte Just a Farang-Tipps:

  • Beste Zeit: Mai bis August – das ist die Durian-Hochsaison in Thailand.
  • Beste Orte: Chanthaburi, Rayong oder Nonthaburi (hierher stammen die teuersten Früchte).
  • Für Einsteiger: Probiere die Sorte Monthong – mild, cremig, weniger intensiv.
  • Für Mutige: Versuch Chanee oder Musang King – kräftiger Geschmack, echte Herausforderung.
  • Achtung: In Hotels, Taxis oder Zügen ist Durian meist verboten – also lieber gleich auf dem Markt genießen.

Fazit – Eine Frucht wie keine andere

Die Durian ist mehr als nur ein exotischer Snack. Sie ist Kultur, Geschichte und Identität in einer Schale. Wer sie versteht, versteht ein Stück Thailand. Vielleicht ist sie genau deshalb so faszinierend: Sie vereint Extreme – zwischen Himmel und Hölle, Liebe und Hass, Luxus und Alltag. Und ja, wer einmal auf den Geschmack gekommen ist, versteht, warum Menschen bereit sind, ein kleines Vermögen für diese stachelige Königin zu zahlen.